Corona macht auch vor dem Handwerk nicht halt

Corona macht auch vor dem Handwerk nicht halt

Der letzte Blogeintrag ist ja nun schon ein Weilchen her – leider. Es scheitert nicht an interessanten Themen. Ganz im Gegenteil: meine Liste wird immer länger. Es liegt wie immer an der lieben Zeit und an anderen Projekten, die nach vorne gebracht werden müssen.


Wie geht es uns in der Corona Pandemie?


Wir waren in der ersten Welle Anfang 2020 für rund drei Wochen in Kurzarbeit und die Mitarbeiter blieben zuhause – trotz sehr hoher Auftragslage. Mein Mitarbeiter Manfred Hofer und ich haben in dieser Zeit sämtliche Anfragen abgearbeitet, wodurch ein ziemlich guter Auftragspuffer entstanden ist. Das restliche Jahr versuchten wir,  die fehlende Zeit wieder aufzuholen. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei unseren Kunden für ihr Verständnis bedanken: Die Verzögerungen wurden stets akzeptiert. Seit dem Frühjahr sind wir aber auch immer wieder mit corona-bedingten Ausfällen von Mitarbeitern durch Krankheit oder Quarantäne betroffen. Mittlerweile ist in unserer Belegschaft auch ein leichter Lagerkoller zu spüren. Kein Wunder, momentan besteht das Leben ja nur aus Arbeiten und zuhause sein. Insgesamt machen aber alle das Beste daraus! Auch unsere zwei neuen Mitarbeiter, die wir im vergangenen Jahr trotz Coronazeiten einstellen konnten, haben sich schon sehr gut in das Team integriert.


Hinsichtlich Auftragslage können wir sagen, dass es uns sehr gut geht. Am Anfang der Pandemie waren wir verunsichert, da keine der sechs Messen, an denen wir normalerweise vertreten sind, stattfinden konnte. Wir entschlossen uns, einen Teil des übrig gebliebenen Werbebudgets in den Ausbau der Homepage zu investieren. So wurden vor allem die Beschreibungen der verwendeten Hölzer,  der Modelle sowie der Verarbeitung von Tischen und Türen aktualisiert. Laufend haben wir unsere neuen Projekte auch auf Instagram, Facebook und Pinterest präsentiert. Manche unserer Einträge und Bilder wurden 140.000 Leuten bei ihrer Suche nach Möbeln angezeigt. Wir sind oft erstaunt über die Reichweite der heutigen Onlinemöglichkeiten. Auch unseren Türen-Konfigurator haben wir um neue Modelle erweitert. Dieser Ausbauschritt ist aber noch nicht abgeschlossen. Weiters konnten wir zwei Maschinen kaufen,  die wir schon länger gesucht haben.


 



 


Lieferengpässe


Ein weiteres Thema, mit welchem wir seit Anfang des Jahres und auch alle anderen Branchen aktuell konfrontiert sind, sind große Lieferengpässe bei Materialien und Rohstoffen. So müssen wir zum Beispiel vier Monate auf Elektrowerkzeug warten. Gerade bei Elektrogeräten hat man teilweise keine Auswahl mehr und ist gezwungen, das zu nehmen, was gerade lagernd ist. Der Schlosser bekommt seinen normalen Industriestahl mit deutlichen Verzögerungen oder gar nicht geliefert. Der Zimmerer wartet auf OSP Platten 6 bis 8 Wochen, die Spanplatten-Verarbeiter bekommen ihr Grundmaterial erst in vier Monaten. Auch MDF Platten sind Mangelware, Blum-Beschläge werden nur in Teillieferungen ausgeliefert. Lack- und Öllieferanten klagen über Rohstoffknappheit und geben bis zu zweistellige Preiserhöhungen bekannt. Sägewerke und der Holzhandeln haben teilweise kein Holz mehr und sprechen uns gegenüber deutliche Preissteigerungen bis zu 25 % aus. Zusammengefasst: Lieferschwierigkeiten in einem solchen Ausmaß und über so viele Branchen übergreifend haben wir noch nie erlebt.


Auch im Holzhandel hat sich durch Corona einiges verändert. Früher hat Kanada laut Auskunft eines Lieferanten einen großen Teil seines Holzes nach Amerika geliefert. Aus politischen Gründen geht das kanadische Holz jetzt aber nach China. Dadurch importiert die USA deutlich mehr Holz aus Europa. Das hat zwei Folgen: Holz aus Europa ist bei uns knapp und die Bäume werden teilweise auf ein ideales Containermaß von drei Metern Länge abgeschnitten. Gottseidank haben wir bereits vor rund 15 Jahren einen großen Schritt Richtung Unabhängigkeit gewagt und uns dafür entscheiden, unsere Schichtplatten, Türblattrohlinge und Türfriesen selber zu fertigen. Gründe für die damalige Entscheidung waren vor allem die Qualität, die individuelle Plattengestaltung und auch die Liefersicherheit. Auch verfügen wir – im Gegensatz zu vielen andern Firmen, die „just in time“ produzieren – über ein großes Lager.  Jedes Jahr füllen wir über den Winter unsere Lagerplätze mit den ständig benötigten Hauptholzarten aus. Das haben wir auch vergangenen Winter so gemacht, was sich in der aktuellen Situation als großer Vorteil herausstellt.



 


Blick in die Zukunft


Unsere Kunden kommen zum Teil von sehr weit her. Wir versenden bereits jetzt regelmäßig Türen nach Mittel- und Norddeutschland oder in die Schweiz. Vor Ort werden die Türen hier von ortsansässigen Handwerkern montiert. Wir hatten aber auch schon Kunden aus Spanien, Russland und Neuseeland. Für diese Kunden oder auch all jene, die keine Zeit finden, nach Nußdorf oder auf eine Messe zu kommen, werden wir in Zukunft eine Beratungsplattform auf unserer Homepage einrichten. Mit dieser Plattform und mit Oberflächen- und Schnittmustern, die wir per Post zusenden, können sich künftig Kunden aus aller Welt von unserer Machart und Qualität überzeugen.


Weiters werden wir bei den Innentüren im Frühjahr/Sommer noch weitere Modelle anbieten. Die Tischfertigung wollen wir auf Waschtischplatten, Küchenarbeitsplatten und Pivot Türen aus einem Stamm ausbauen. Im Möbelbereich wollen wir weiterhin unsere Homepage mit immer mehr Bilden von unseren Projekten füllen. So können sich unsere Kunden und die, die es noch werden wollen, einen Eindruck über unsere Arbeit verschaffen. Oberstes Ziel in all unserem Schaffen ist und bleibt die beste Qualität: Es wäre schön, wenn in 60 Jahren die Kinder oder Enkelkinder unserer Kunden die von uns gefertigten Türen vorsichtig ausbauen, damit sie bei einer Renovierung nicht beschädigt werden und später wieder eingebaut werden können.



Trotz Corona und sämtlicher Herausforderungen, welche diese Krise mit sich bringt, blicken wir positiv in die Zukunft. Handwerk wird auch in einer digitalisierten Welt immer seine Berechtigung und Nachfrage haben. Ich glaube sogar, dass der Stellenwert eines Handwerkers wieder steigen und sich auch die jüngere Generation wieder vermehrt für einen Handwerksberuf entscheiden wird. Betriebe, die diese Zeit der Veränderung und des Umbruches gut überstehen, Chancen ergreifen und flexibel sind, werden meiner Ansicht noch gestärkt aus der Krise  hervorgehen.


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